Über die Schriftstellerei – Henry Millers Leserkreis

Henry Miller gibt in seinen Romanen oft Nachdenkliches über Schriftsteller und die Schriftstellerei preis. In unserer neuen Rubrik „Über die Schriftstellerei“ möchte ich zu diesem Thema einiges in diesen Blog einpflegen und nehme auch gern Beiträge entgegen! Selbst Zitate sind gefagt! Aber nun H. Miller:

„Werde ich gefragt, ob ich an einen bestimmten Leserkreis denke, wenn ich mich zum Schreiben hinsetze, sage ich nein, ich denke an keinen bestimmten, aber die Wahrheit ist, dass ich das Bild einer großen Menge vor mir habe, einer anonymen Menge, in der ich vielleicht da und dort ein freundliches Gesicht erkenne. In dieser Menge sehe ich die allmähliche, brennende Wärme sich ansammeln, die einmal ein einziges Bild war, ich sehe sie sich ausbreiten, Feuer fangen, zu einer großen Feuersbrunst werden. (Der einzige Augenblick, in dem ein Schriftsteller den ihm zustehenden Lohn empfängt, ist der, wenn jemand zu ihm kommt, brennend von dieser Flamme, die er, der Schriftsteller, in einem Augenblick der Einsamkeit entfacht hat. Ehrliche Kritik bedeutet nichts: Wonach es einen verlangt, ist rückhaltlose Leidenschaft, Feuer für Feuer.)“ (Aus: „Sexus“)