Rezension: „Hans Stahl und der Tod der Rosen“ von Wolfgang Brandt

Hans Stahl, Hauptmann der Arnstädter Stadt- und Schlosswache, sorgt mit seinen Männern für den Schutz der Bürger. Doch der Mord an einer Schönfrau, die im städtischen Bordell in der Großen Rosengasse begierlichen Männern zu Diensten stand, überschattet das friedliche Leben in Arnstadt. Schnell hat der korrupte Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes einen Schuldigen gefunden: den Haudrauf, Säufer und Hurenfreund Albrecht von Ingersleben. Doch auch nach der Enthauptung des Adligen kehrt in Arnstadt keine Ruhe ein, denn die »Mutter Oberin« der Schönfrauen, Madame Ampolonia, wird als Hexe denunziert. Hans Stahl ist historisch verbürgt. Er wurde 1638 feige ermordet. Hans Stahl und der Tod der Rosen wurde für den Thüringer Krimipreis 2012 nominiert und erreichte den 3. Platz.

»Stellt eure Glieder nicht der Sünde als Waffen der Ungerechtigkeit zur Verfügung, sondern stellt euch ganz Gott zur Verfügung als Menschen, die von den Toten auferweckt leben, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes.«

Aus: Der Brief an die Römer, Kapitel 6,13

Hans Stahl wuchs wie jeder andere Junge in seinem Alter und seines Standes in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Er sollte eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Schmiedehandwerk erlernen. Doch der Zufall lenkte Hans Stahls weiteres Leben in ganz andere Bahnen und ließ ihn Stufe um Stufe die militärische Karriereleiter im Gräflich Schwarzburgischen aufsteigen – vom Torwächter bis hinauf zum Landeshauptmann.
Als einfacher Bursche ist Hans einer von vielen, als Stadtleutnant von Arnstadt zollt ihm jeder Achtung und Respekt. In seiner Strenge bei der Umsetzung von Ordnung und Sicherheit vergisst er jedoch nicht, aus welchen Verhältnissen er stammt und kann wohl zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Doch auch er muss sich den Launen der Obrigen fügen.

Hans Stahl und der Tod der Rosen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom eigentlichen Kriminalroman unserer Zeit. Der Autor Michael Kirchschlager verzichtet bewusst auf einen Plot und Commissarius und lässt den Leser vielmehr detailliert an weiteren Morden und Folterungen teilhaben. Es geht im Roman um Macht, Machtmissbrauch, Gehorsam und Gerechtigkeit. Dem Protagonisten Hans Stahl steht der Antagonist Amtsrichter Doktor Paulus Ernestus Herodes gegenüber – ein weiteres literarisches Mosaiksteinchen im Kampf zwischen Gut und Böse, wobei im Roman selbst das Böse dominiert.
Dem Autor gelingt es hervorragend, historisch verbriefte Ereignisse mit fiktiven Elementen zu verweben. So findet man unter anderem Hinweise zur Reformation, zu den Anfängen des Dreißigjährigen Krieges und zur Pest im Jahre 1625, die auch vor den Toren der Stadt Arnstadt nicht haltmacht.
Wie ein roter Faden ziehen sich geleisteter Eid und Pflichten eines Stadtleutnants jener Zeit durch den Roman. So versteht es Michael Kirchschlager recht gut, Hans Stahl nicht nur in der Rolle des pflichtbewussten Militärs gegenüber der Obrigkeit literarisch darzustellen, sondern auch den persönlichen Einsatz aufzugreifen, um die Bürger der Stadt vor Unheil zu bewahren.
Symbolträchtig ist der Roman ohnehin. Die Namensgebung des Antagonisten Herodes, die Stellung der Schönfrauen in der Hierarchie der Bevölkerung und die Macht des Volkes sollen hier erwähnt werden. Auch wenn die Storyline in das 17. Jahrhundert eingebettet ist, lassen sich Aspekte des Romans in das unsrige transferieren. Machtgehabe, Amtsmissbrauch oder das Ringen um Posten und Pöstchen begegnen uns auch heute überall. Sogar Passagen der Wachordnung für die Stadtwache findet man in modifizierter Form in so mancher Dienstvorschrift oder -anordnung wieder. Coverbild und Covergestaltung drücken vortrefflich den Inhalt des Romans aus, so wie man es vom Verlag gewohnt ist.

Hans Stahl TITEL

Fazit:
Nach den Kriminalgeschichten „Der Crako und der Gierfraß“ und „Der Crako und das Giftmädchen“ (beide im FESTA Verlag erschienen) führt Michael Kirchschlager mit „Hans Stahl und der Tod der Rosen“ den Leser in das Arnstadt des 17. Jahrhunderts. Neben Szenen eines normalen Stadtlebens in den Jahren 1617 – 1625 spart der Autor nicht mit brutalen Folter- und Hinrichtungspraktiken. Von Beginn an laufen die Handlungsstränge wie ein Film vor dem geistigen Auge ab. Wer Die Wanderhure oder Die Tudors kennt, wird von Hans Stahl und der Tod der Rosen begeistert sein. Einfach genial und filmreif! Wolfgang Brandt für geisterspiegel.de