Krimiautorin Katharina Schendel sendet uns ein Adventsgedicht …

 

Ein Adventsgedicht

Auf dem Adventskranz brennen nun die Kerzen.

Ihr warmer Schein beschwingt die Herzen.

Der Lichterglanz erhellt die Räume

und allerfeinster Pulverschnee bedeckt hier und da die Bäume.

Bratapfel- und Mandelduft kitzeln allerorts die Nasen,

Glückseligkeit liegt in der Luft – überallemaßen.

Die Augen leuchten wie noch nie,

dank Schittchen, Punsch und Harmonie.

Wer streiten will, muss lange suchen.

Friede. Freude. Eierkuchen.

Doch wer denkt, die Weihnachtszeit

sei ganz von böser Tat befreit,

dem lacht der Sensenmann mitten ins Gesicht.

Nein, das ist sie nicht!

Erst neulich kam die Apothekerfrau von einer Reise

und erfuhr auf diese Weise,

dass ihr Mann ihr untreu war.

Die Geliebte war noch jung an Jahr.

Triumphierend ging sie aus dem Haus,

der Apotheker aber, klein wie eine Maus,

fiel flehend vor seiner Frau nieder.

Schatzilein, ich tu´s nie wieder!“

Wenig später, in einer finsteren Nacht,

hat sie die Geliebte umgebracht.

Mit einem Messer, ganz ohne Furcht,

schnitt sie ihr die Kehle durch.

Und für ihren Mann, den ollen,

streute sie Rattengift über den Stollen.

Auch den Glühwein versetzt sie mit Arsen.

Natürlich nur, um auf Nummer Sicher zu gehn.

Bevor der Gatte jedoch isst und trinkt,

er beherzt das Hackbeil schwingt.

Ohne Gnade saust es nieder

und zerteilt der Ehefrau Glieder.

War die Axt auch noch so stumpf,

was übrig blieb war nur der Rumpf.

Er denkt, zum Glück ist ihre Tyrannei

nun ein für allemal vorbei.

Zufrieden widmet er sich seinem Schmaus,

und haucht selbst sein Leben aus.

Da schaut durchs Fenster keck hinein

ein Chor aus kleinen Engelein

und singt die schönsten Weihnachtslieder.

Leise rieselt Schnee hernieder.

Frieden legt sich übers ganze Haus,

und aus dem nahen Walde tritt ein scheues Reh heraus.

Am Nachmittag so gegen vier,

klingelt´s an der Vordertür.

Im Garten vor der großen Fichte,

stehn´ der Neffe und die Nichte,

und haben bei sich im Gepäck,

ein festliches Adventsgesteck.

Doch mittendrin im Tannengrün, wer hätte das gedacht,

haben sie Sprengstoff angebracht.

Und was wie eine Kerze aussieht,

ist in Wahrheit Dynamit.

Die beiden schauen arglos drein,

es geht nicht anders, es muss so sein.

Denn damit sie endlich erben,

müssen Onkel und Tante sterben.

Dumm nur, dass, bevor sie´s sich versehen,

die Bombe hochgeht, wo sie stehen.

Es ertönt ein großer Knall.

Oh ja, man hört ihn überall.

Auch im Nachbarhaus, wo´s herrlich duftet,

und man in der Küche schuftet.

Fragt der Gustav seine Schwester:

Ist denn heute schon Silvester?“

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