Kategorie-Archiv: Arnstädter Literaturpreis 2016

Lesung zum Gedenken an Gudrun Piesche, 15. September

Geschätzte Literaturfreunde, liebe Freunde der Arnstädter und Thüringer Literatur, verehrte Gäste unserer altehrwürdigen Stadt! Hiermit laden wir alle Interessierten zu einer Gedenklesung an unsere Preisträgerin Gudrun Piesche ein, die in diesem Jahr von uns gegangen ist. Die Lesung findet am 15. September ab 19.30 Uhr in Tanya`s Restaurant in Arnstadt statt. Platzreservierungen sind erbeten (036 28 / 6 61 70 99).

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Nachruf auf Gudrun Piesche – Preisträgerin des Arnstädter Literaturpreises 2016

Sie war ein sehr freundlicher und sehr angenehmer Mensch und hat uns, den Arnstädter Literaturfreunden und zahlreichen Leserinnen und Lesern, mit ihren kleinen Geschichten große Freude bereitet. Durch sie weiß ich, was “glännern” für die Arnstädter bedeutet. Die Rede ist von Gudrun Piesche, der Preisträgerin des Arnstädter Literaturpreises 2016.

Unsere Freundin Gudrun ist von uns gegangen. Sie starb nach kräftezehrender Krankheit am Sonntag, dem 29. Mai. Gudrun hat nie geklagt. Sie blieb bis zuletzt optimistisch. Eine große Lesung mit ihr, der Preisträgerin, und uns, ihren Literaturfreunden, war für den Spätsommer geplant. “Nur ein Augenblick” sollte vorgestellt und gelesen werden – die Siegergeschichte des Arnstädter Literaturpreises – Gudruns Erzählung. Das Urteil der Jury war einstimmig. Sie wurde zur Siegerin gekürt.

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Gudrun Piesche wählte kein leichtes Thema. Ihre Erzählung spielt während und kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Am 8. Januar 1654 brannte es im Stall des Hauses “Zum Cristophorus”. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden und richtete kaum Schaden an. Der jugendliche Brandleger, der Lehrjunge des Buchdruckers Schmidt, der achtzehnjährige Nicodemus Jeremias Francke, Sohn des gräflichen Burgvogts Erasmus Francke, gestand die Tat und wurde zum Tode verurteilt. Graf Christian Günther II. ließ aufgrund der Jugend des Lehrlings Milde walten und änderte das Urteil vom Tod durch den Strang in Tod durch das Schwert um.

Die Autorin stellte dem jungen Täter eine fiktive Kindsmagd an die Seite und ließ ihn, anders als seine Verwandten, in seinem letzten Augenblick nicht im Stich. Aber auch wenn sie ihn einerseits emotional das ganze Leben lang stützte, war sie andererseits doch machtlos, seine Lebenssituation zu ändern, da sie selbst nur eine Dienstmagd war. “Nur ein Augenblick” ist eine traurige Geschichte, gleichzeitig aber eine starke, sozialkritische Erzählung, die zurecht den Preis erhielt.

Gudrun Piesche, unsere Preisträgerin, wurde am 16. März 1951 in Arnstadt geboren, erlebte hier ihre Kindheit, “glännerte”, wie viele Arnstädter Kinder – was wir aus einer ihrer schönen Weihnachtsgeschichten wissen – begann eine Lehre als Versicherungskaufmann und schloß ein Fachschulstudium zum Finanzökonomen ab. Als Quereinsteigerin war sie fast zehn Jahre als Heimerzieherin tätig. Aus dieser Arbeit schöpfte sie zweifellos die Kenntnisse der menschlichen Psyche, besonders die der Kinder und Jugendlichen ohne elterlichen Halt. Hier dürfte sie oft und lange in die Herzen der Menschen gesehen haben. Diese Erfahrungen brachte sie stilsicher und literarisch überzeugend in ihre Erzählung ein.

Gudrun Piesche setzte mit ihrer Erzählung die alte Tradition der sogenannten Causes célèbres (wahre Kriminalfälle) fort, die mit dem französischen Juristen und ihrem Namensgeber Pitaval (1673–1743), begann. Würdige Nachfolger fand Pitaval in Friedrich Schiller und Wilibald Alexis. Alexis gab gemeinsam mit Julius Eduard Hitzig ab 1842 den Neuen Pitaval heraus, eine Sammlung von authentischen Kriminalgeschichten, wobei die Autoren ihren Schwerpunkt auf psychologische Aspekte legten. Fortgeführt wurde das Werk von Christian August Anton Vollert (1828-189), der von 1858 bis 1869 Kreisgerichtsrat in Arnstadt war.

Gudrun Piesche ging es gleich ihren berühmten Vorgängern nicht um oberflächliche Unterhaltung, durchmischt mit sinnlosen Gewalttaten. Als Autorin zeigte sie das, was man als humanistisches Verantwortungsgefühl bezeichnen kann. Sie fügte sich mit ihrer Erzählung in die Reihe der großen Pitavalschriftsteller ein und hinterließ uns ein eindrucksvolles, emotionsgeladenes Sittengemälde vergangener Zeiten.

Doch bei all den Historien, die es in diesem Arnstädter Festjahr der Stadtrechtsverleihung auch zu feiern gibt, Gudrun Piesche läßt uns die schweren Schicksale, die uns jeden Einzelnen mehr oder minder treffen können, nicht vergessen.

Wir sagen Danke, liebe Gudrun Piesche, für Deine Freundlichkeit, Menschlichkeit und Deine schönen kleinen Geschichten von doch so großen Dingen. Wir verneigen uns vor unserer Preisträgerin und sind im Herzen und in der Erinnerung bei Dir. Unser Mitgefühl gilt Deiner Familie und Deinen Freunden.

Michael Kirchschlager

Im Namen der Literaturfreunde Arnstadt (IG)

 

 

Preisverleihung Arnstädter Literaturpreis 2016 und Buchpräsentation am 16. März 2016

Bilder von der Preisverleihung des Arnstädter Literaturpreises 2016 am 16. März 2016 im Gast- und Logierhaus “Goldene Henne” (Kaminzimmer) Arnstadt.

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Hier erhält unsere Preisträgerin Gudrun Piesche ihren Adlerpokal

von Georg Bräutigam, unserem Schirmherrn, überreicht.

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Hier gratuliert Uta Kessel (links), die als Stadtführerin in Person

der Marlitt schon viele Gäste durch Arnstadt geführt hat. 

Herzlichen Dank für alle Unterstützer!

Ab sofort ist im Arnstädter Buchhandel auch das Buch “Nur ein Augenblick” lieferbar! Preis: 18 Euro, limitiert auf 500 Exemplare. Bestellungen sind auch über info@verlag-kirchschlager.de möglich.

Hans-Peter Stadermann

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Neuerscheinungen zum Stadtrechtsjubiläum

Limitierte Buchausgaben zum Stadtrechtsjubiläum
750 Jahre Stadtrecht von Arnstadt

Im Festjahr 2016 erscheinen anläßlich des 750jährigen Jubiläums der Verleihung des Stadtrechtes an Arnstadt zwei streng limitierte Buchausgaben im Verlag Kirchschlager. Der erste Band beinhaltet die ausgewählten Erzählungen zum Arnstädter Literaturpreis 2016, der von den Literaturfreunden Arnstadt (IG) ausgelobt wurde. Die Arnstädter Gewinnerin Gudrun Piesche gab mit ihrer Erzählung “Nur ein Augenblick” den Titel des Erzählbandes vor. Er wird als hochwertige Hardcoverausgabe mit Leseband ab Mitte März erscheinen. Die literarisch-historischen Erzählungen werden zudem auf bestem Papier (Papiersorte: Schneebruch) gedruckt. Ausgestattet wird das einmalige Buch zudem mit Illustrationen und Scherenschnitten. Preis: 18 Euro.

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Der zweite Band – die Festschrift zum Stadtrechtsjubiläum – wird ein umfangreiches Standardwerk zur Arnstädter Geschichte. Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Arnstadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Autorin und Archivarin Andrea Kirchschlager M. A. stellt auf etwa 200 Seiten Biographien und Lebensereignisse der Arnstädter Bürgermeister und Ratsherren vom Mittelalter bis zur Gegenwart vor. Michael Kirchschlager gibt am Anfang des Buches einen Überblick über die Stadtrechtsverfassung, den Aufbau und die Entwicklung des Stadtrates sowie die Stadtgerichtsbarkeit. Zahlreiche Bilder herausragender politischer Persönlichkeiten Arnstadts machen dieses Werk zu einem klaren Muß für jeden an Arnstadts Geschichte Interessierten. Auch dieser großformatige Band erscheint als hochwertige Hardcoverausgabe mit Leseband und wird auf feinstem Kunstcremepapier gedruckt. Preis: 24 Euro.
Es wird von beiden Büchern keine weiteren Auflagen geben!

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Gudrun Piesche aus Arnstadt einstimmig zur Preisträgerin des Arnstädter Literaturpreises 2016 gekürt

Heute wurde im Arnstädter Marlitt-Cafe den anwesenden Literaturfreunden durch Michael Kirchschlager die Preisträgerin des Arnstädter Literaturpreises 2016 bekanntgebeben. Es ist nach einstimmigem Urteil der unabhängigen Jury Frau Gudrun Piesche mit ihrer Erzählung “Nur ein Augenblick”.

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Literaturpreisträgerin Gudrun Piesche

Die Literaturfreunde Arnstadt (IG) gratulieren an dieser Stelle Frau Gudrun Piesche zum Arnstädter Literaturpreis 2016 und wünschen ihr weiterhin viel Freude am Schreiben. Gleichzeitig danken wir ganz herzlich allen Beiträgern und denen, die uns bisher unterstützt haben und noch weiterhin unterstützen, besonders unserem Schirmherren Stadtrat Georg Bräutigam und Herrn Lars Pitan.

Zur Erzählung “Nur ein Augenblick”

Die Grundlage der Erzählung “Nur ein Augenblick” sind historische Ereignisse in Arnstadt während und kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Am 8. Januar 1654 brannte es im Stall des Hauses  “Zum Cristophorus”. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden und richtete kaum Schaden an. Als Brandleger wurde der Lehrjunge des Buchdruckers Peter Schmidt ausgemacht. Er wurde verhaftet und verhört. Der achtzehnjährige Nicodemus Jeremias Francke, Sohn des gräflichen Burgvogts Erasmus Francke, gestand die Tat und wurde zum Tode verurteilt.
Graf Christian Günther II. ließ aufgrund der Jugend des Lehrlings Milde walten und änderte das Urteil vom Tod durch den Strang in Tod durch das Schwert um. Dieses Ereignis ist durch verschiedene Quellen, u.a. einer Gerichtsakte im Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt belegt.
Auch nach dem Studium der spärlichen Gerichtsunterlagen bleibt die Frage, warum der Junge dies tat.
Auffällig ist, daß im gesamten Gerichtsverfahren der Vater, ein doch hoher Beamter des Grafen, keine Rolle spielte. Der frühe Tod der Mutter, die schnelle Wiederverheiratung des Vaters und der Schulbesuch in Ebeleben sind belegt.
Aus der Akte kann herausgelesen werden, daß Nicodemus Franke sich sehr verlassen gefühlt haben mußte. Die ihm deshalb an die Seite gestellte Kindsmagd ist fiktiv.
Diese Frau stützte ihn einerseits emotional das ganze Leben lang, andererseits hatte sie keine Möglichkeiten, seine Lebenssituation zu ändern, da sie selbst als Dienstmagd machtlos war.
In der Erzählung erscheint der Vater als hart und gegenüber dem Schicksal seines Sohnes gleichgültig.
Am Ende der Erzählung schließt sich der Kreis: die Kindsmagd, die zu Beginn den kleinen, einsamen Jungen nach der Grablege seiner Mutter an die Hand nimmt und schließlich zum Schluß als einzige nahe Person am Grab des Achtzehnjährigen steht. Alle Personen, die in der Erzählung mit Vor- und Zunamen erwähnt werden, haben wirklich gelebt. Die Charaktere und Lebensumstände jedoch sind im Wesentlichen frei erfunden.
Zur Vita der Autorin
Gudrun Piesche wurde am 16. März 1951 in Arnstadt geboren. Sie schloß eine Lehre als Versicherungskaufmann (abgeschlossenes Fachschulstudium zum Finanzökonom) ab und war  als Quereinsteigerin fast zehn Jahre als Heimerzieherin tätig.
Inzwischen lebt sie im Ruhestand, hat einen erwachsenen Sohn und widmet sich dem Schreiben. Ihre sozialen und pädagogischen Erfahrungen als Heimerzieherin flossen in ihre Erzählung ein.
Die Erzählung “Nur ein Augenblick” sowie weitere ausgewählte Erzählungen werden im 1. Quartal 2016 in einem limitierten Buch anläßlich des 750jährigen Statdrechtsjubiläums von Arnstadt erscheinen. Vorbestellungen können über den Arnstdädter Buchhandel oder dem Verlag Kirchschlager abgegeben werden.

 

Nächstes Treffen der Literaturfreunde am 4. November 2015

Das nächste Treffen der Literaturfreunde Arnstadt (IG) findet am Mittwoch, dem 4. November 2015, ab 19 Uhr im Kaminzimmer des Kloßhotels “Goldene Henne” statt. Themen des Abends sind das Arnstädter Weihnachtsbuch sowie der Stand der Vorbereitungen zum Festjahr 2016 – 750 Jahre Stadtrecht. Gäste sind herzlich eingeladen.

Literaturadler nun im Schaufenster der Arnstädter Musikschule

Unser Literaturadler ist ab sofort im Schaufenster der Arnstädter Musikschule zu sehen. Herzlichen Dank gebührt hierfür besonders Frau Karber von der Musikschule und Evelyn Günther für die Gestaltung des Fensters.

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Unsere rein ehrenamtlich-literarischen Aktivitäten für Arnstadt werden umfangreich von zahlreichen Firmen unserer Region unterstützt. Besonders danken wir an dieser Stelle der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau!

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Das Stadtrechtsjubiläum im Blick – ein Kommentar von Joachim Kreckow

Schwerpunkt der Beratung der Interessengemeinschaft (IG) der Literaturfreunde am 16. Juli in der „Goldenen Henne“ war das im nächsten Jahr anstehende Jubiläum der Verleihung des Stadtrechts für die Stadt Arnstadt vor 750 Jahren. Der Sprecher der IG, Autor und Verleger Michael Kirchschlager, hatte vor einer stattlichen Anzahl von Autorinnen, Autoren und Gästen den Stand der eingegangenen Manuskripte zum Literaturwettbewerb mitgeteilt, der im Februar 2014 ins Leben gerufen wurde. Es sind 15 Beiträge aus der  Region und ganz Deutschland, die von einer vierköpfigen Jurybewertet werden. Zu dieser gehören Britt Mandler (Leiterin der Lokalredaktion der „Thüringer Allgemeine“, Andrea  Feldt (Leiterin der Stadtbibliothek), Angelika Stiel (Stadt Arnstadt) sowie die Buchhändlerin Sigrid Häßler).

Bis zum November diesen Jahres sollen die fünf besten Beiträge von der Jury ermittelt werden, darüber hinaus sollen die 10 besten später veröffentlicht werden. Am 23. April 2016 findet die Verleihung des Arnstädter Literaturpreises sowie die Präsentation der damit entstehenden Publikation im Saal des Kloßhotels „Goldene Henne“ in Arnstadt statt. Dem Preisträger winken neben einem Preisgeld von 2000 Euro ein vom Künstler Heiko Freitag geschaffener Adler aus Eiche, der symbolisch für das Arnstädter Wappen steht.

Stadtrat Georg Bräutigam (ProArnstadt) wandte sich an die Anwesenden und bedankte sich für ihr Engagement. Er hatte im Stadtrat sich für das Projekt und dessen Finanzierung stark gemacht. Des weiteren berieten die Literaturfreunde über Gestaltungsfragen, die das in diesem Jahr erscheinende „Arnstädter Weihnachtsbüchlein“ betreffen.

Bei salve tv findet man zudem einen Beitrag sowie ein Gespräch mit unserm Autorenfreund Dieter Hesse!