Archiv für den Monat: Juni 2015

Das Stadtrechtsjubiläum im Blick – ein Kommentar von Joachim Kreckow

Schwerpunkt der Beratung der Interessengemeinschaft (IG) der Literaturfreunde am 16. Juli in der „Goldenen Henne“ war das im nächsten Jahr anstehende Jubiläum der Verleihung des Stadtrechts für die Stadt Arnstadt vor 750 Jahren. Der Sprecher der IG, Autor und Verleger Michael Kirchschlager, hatte vor einer stattlichen Anzahl von Autorinnen, Autoren und Gästen den Stand der eingegangenen Manuskripte zum Literaturwettbewerb mitgeteilt, der im Februar 2014 ins Leben gerufen wurde. Es sind 15 Beiträge aus der  Region und ganz Deutschland, die von einer vierköpfigen Jurybewertet werden. Zu dieser gehören Britt Mandler (Leiterin der Lokalredaktion der „Thüringer Allgemeine“, Andrea  Feldt (Leiterin der Stadtbibliothek), Angelika Stiel (Stadt Arnstadt) sowie die Buchhändlerin Sigrid Häßler).

Bis zum November diesen Jahres sollen die fünf besten Beiträge von der Jury ermittelt werden, darüber hinaus sollen die 10 besten später veröffentlicht werden. Am 23. April 2016 findet die Verleihung des Arnstädter Literaturpreises sowie die Präsentation der damit entstehenden Publikation im Saal des Kloßhotels „Goldene Henne“ in Arnstadt statt. Dem Preisträger winken neben einem Preisgeld von 2000 Euro ein vom Künstler Heiko Freitag geschaffener Adler aus Eiche, der symbolisch für das Arnstädter Wappen steht.

Stadtrat Georg Bräutigam (ProArnstadt) wandte sich an die Anwesenden und bedankte sich für ihr Engagement. Er hatte im Stadtrat sich für das Projekt und dessen Finanzierung stark gemacht. Des weiteren berieten die Literaturfreunde über Gestaltungsfragen, die das in diesem Jahr erscheinende „Arnstädter Weihnachtsbüchlein“ betreffen.

Bei salve tv findet man zudem einen Beitrag sowie ein Gespräch mit unserm Autorenfreund Dieter Hesse!

Stefan Bollmann: Frauen und Bücher – eine Leseempfehlung von Michael Kirchschlager

„Ich lese nie Romane; ich habe Besseres zu tun“, läßt Jane Austen Anfang des 19. Jahrhunderts einen Mann in einem ihrer Romane sagen und fällt damit das Urteil über ihn. Stefan Bollmann beleuchtet in seinem faszinierenden Sachbuch das nicht unerotische, hochinteressante Thema Frauen und Bücher und versieht es mit dem Untertitel „Eine Leidenschaft mit Folgen“.

Bollmann läßt uns tief in die Seele der lesenden und schreibenden Frauen eintauchen und verrät so Manches. Marilyn Monroe war zum Beispiel eine passionierte Leserin und zu ihren Lieblingsbüchern zählte der »Ulysses« von James Joyce. Der Studienabbrecher Friedrich Gottlieb Klopstock erfand 1750 die Dichterlesung, als er einer Schar junger Frauen seine Oden vortrug und dafür Küsse kassierte. Und über Jane Austen, die nur Frauen für voll nahm, die Romane lieben, lesen wir schon weiter oben. Daß vor 150 Jahren Eugenie Marlitt, eine entlassene Vorleserin, zur ersten Bestsellerautorin der Welt aufstieg, wissen wir in Arnstadt zwar ganz genau, aber Stefan Bollmann zollt ihr in seinem Buch den ihr gebührenden Platz. Desweiteren kommen berühmte Autorinnen zu Wort: Caroline Schlegel-Schelling, für die Lesen lebenswichtig war, Mary Wollstonecraft oder Virginia Woolf.

Diese und eine Fülle anderer Begebenheiten läßt Stefan Bollmann in einem unterhaltsam geschriebenen Panorama lebendig werden, das von Klopstocks Zeit bis in die Gegenwart führt und von aktuellen Phänomenen wie Fanfiction und „Shades of Grey“ berichtet. Zugleich erzählt er eine überraschend andere Geschichte des Lesens, seiner Macht und Magie. Lesen kann Leben und Lieben verändern. Ein Buch für Frauen, die leidenschaftlich gern lesen – und aus dem Männer erfahren, was ihre Frauen meinen, wenn sie sagen: »Jetzt nicht! Ich lese!«

Und so manches Mal sollte uns Männer das bedenklich machen … Ich empfehle das Buch ausdrücklich allen lesenden Geschlechtern.